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Verborgene Schätze der Sammlung

Seit November vergangenen Jahres zeigt die Sammlung Oskar Reinhart «Am Römerholz» Kunstwerke aus ihrem festen Bestand, die trotz unbestreitbarer Qualität schon seit geraumer Zeit nicht mehr öffentlich zu sehen waren. Die Gründe der Absenz sind teils konservatorischer Natur, teils den begrenzten Raumverhältnissen geschuldet. In einer abgesonderten Einzelpräsentation lassen sich diese sonst verborgenen Schätze nun in aller Ruhe entdecken. Flankiert von Zusatzveranstaltungen, wie Gesprächen und Sonderführungen, sollen die Kunstwerke von allen Seiten beleuchtet und diskutiert werden. Vertreter ganz unterschiedlicher Metiers werden eingeladen, um den Diskurs auch weit über den üblichen kunsthistorischen Kern hinausgehen zu lassen.

Die vierte Präsentation

Im Zentrum der vierten Präsentation steht für einmal ein Kunstwerk der textilen Künste:            ein Bildteppich aus einer führenden Werkstatt der Stadt Tournai, eine Wilde Frau und wilder Mann, ein Wappen haltend, datiert auf das letzte Viertel des 15. Jahrhunderts.

Das reich geschmückte Wappen kann zwar bis heute nicht einer konkreten Familie zugeordnet werden, doch spricht vieles für den ritterlichen Stand seines damaligen Besitzers. An Stelle der üblichen heraldischen Tiere wie Löwe oder Greif dient ein Wildleutepaar als Wappenhalter. Barfuss und ganz von Fell umhüllt, stehen die mythischen Naturwesen für ein freies, aggressives und triebgesteuertes Dasein jenseits der gesellschaftlichen Normen. Sie vertreten zum einen das angsteinflössende, ungezähmt Wilde der Natur, zum anderen dienen sie aber auch als Sehnsuchtsbild in einer Welt voller gesellschaftlicher Richtlinien. Einst war das Teppichfragment Teil eines grösseren Ensembles und diente vermutlich zur Feier einer Eheschliessung, zumal andere Stücke das weibliche Allianzwappen tragen. Dem Wildleutepaar, wurde entsprechend ein reales Ehepaar, in ihren Wappen präsent, gegenübergestellt.

Ausstellungsdauer: 31. August - 12. November 2017

Tournai (?), Wilde Frau und wilder Mann, ein Wappen haltend, letztes Viertel 15. Jh., Wollwirkerei, Fragment, 117 x 112,5 cm, Sammlung Oskar Reinhart «Am Römerholz», Winterthur
Tournai (?), Wilde Frau und wilder Mann, ein Wappen haltend, letztes Viertel 15. Jh., Wollwirkerei, Fragment, 117 x 112,5 cm, Sammlung Oskar Reinhart «Am Römerholz», Winterthur

Die dritte Präsentation

Als drittes Bild steht nun ein Werk der spanischen Schule im Mittelpunkt: Das repräsentative, Eugenio Lucas Villamil zugeschriebene Gemälde Corrida, gemalt um 1880-85.

Ganz nahe kommt der Betrachter hier dem dramatischen Geschehen. Als Zuschauer in der ersten Reihe der Arena kann er mitverfolgen wie Gruppen von amateurhaften Stierkämpfern regellos aufeinanderprallen. Mensch und Tier sind im unheilvollen Gedränge kaum noch zu unterscheiden. Die chaotische Szenerie, ausgelöst von Vergnügungslust, Selbstüberschätzung und aufgeheizter Stimmung setzt sich kreisförmig bis zu den Zuschauerrängen des Hintergrundes fort. Die Luft scheint vom braunen Dunst des aufgewirbelten Staubes gesättigt zu sein. Das dem Spross einer angesehenen spanischen Malerfamilie zugeschriebenen Bild steht ganz in der Tradition von Francisco de Goyas Stierkampfdarstellungen, besonders jener seiner späten Lithografien. Auch hier ist nicht der streng reglementierte, professionelle Stierkampf, als vielmehr die anarchische, volkstümliche Variante ein Thema. Auf Grund dieser Ähnlichkeiten wurde die Corridadarstellung der Sammlung Oskar Reinhart auch lange dem Werk Goyas zugeschrieben und vom Sammler für seine bedeutende Kollektion von Werken spanischer Künstler erworben.

Ausstellungsdauer: 4. Mai - 20. August 2017

Eugenio Lucas Villamil zugeschrieben, Corrida, um 1880–85, Öl auf Leinwand, 74 x 110 cm, Sammlung Oskar Reinhart «Am Römerholz», Winterthur
Eugenio Lucas Villamil zugeschrieben, Corrida, um 1880–85, Öl auf Leinwand, 74 x 110 cm, Sammlung Oskar Reinhart «Am Römerholz», Winterthur

Die zweite Präsentation

Nach einem Bild Gustave Courbets, steht nun ein weitaus älteres Gemälde im Zentrum: Die kleine Tafel von Pieter Huys, Der heilige Christophorus, gemalt um 1560.

Die Darstellung des Christusträgers inmitten katastrophaler Elementarereignisse und bedroht von Monstern unterschiedlicher Gestalt lässt an Dramatik nichts zu wünschen übrig. In künstlerischer Hin-sicht gehört das Werk ganz offensichtlich der Nachfolge von Hieronymus Bosch an. Der Unterhaltungs-wert der skurrilen Mischwesen und ihrer bisweilen komischen Aktivitäten führte zu einer hohen Wert-schätzung derartiger Diablerien. Nur fünf Werke des Antwerpener Meisters Pieter Huys können auf Grund der Signatur seinem Oeuvre sicher zugeordnet werden, darunter auch die Römerholz Tafel. Das Gemälde gehört zum beträchtlichen Bestand an Altmeisterwerken der Sammlung, welche Oskar Reinhart (1885 - 1965) als epochenübergreifende Gegenstücke zu seinen impressionistischen Bildern erwarb.

 Ausstellungsdauer: 2. Februar - 23. April 2017

Pieter Huys, Der heilige Christophorus, um 1560, Eichenholz, 34 x 43 cm, Sammlung Oskar Reinhart «Am Römerholz», Winterthur
Pieter Huys, Der heilige Christophorus, um 1560, Eichenholz, 34 x 43 cm, Sammlung Oskar Reinhart «Am Römerholz», Winterthur

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