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Corot L’Armoire secrète. Eine Lesende im Kontext

4. Februar bis 15. Mai 2011

Ausgangspunkt und zugleich Zentrum unserer Studienausstellung ist das Gemälde Lesendes Mädchen aus der umfangreichen und bedeutenden Gruppe von Werken Jean-Baptiste Camille Corots (1796 - 1875), die die Sammlung Oskar Reinhart « Am Römerholz » ihr eigen nennen darf. Dieses herausragende Figurenbild wird in ein Ensemble ausgewählter Schlüsselwerke des französischen Malers aus nationalen und internationalen Sammlungen und Museen gestellt. Damit erhellt sich nicht nur die Verankerung und zentrale Bedeutung des Lektürethemas innerhalb der Figurenmalerei Corots, sondern es wird über diesen spezifischen Schaffenszweig des Künstlers auch ein repräsentativer Überblick geboten. Corot hatte sich stets als Landschaftsmaler bezeichnet und trug damit selbst dazu bei, dass die Kritik lange Zeit seine Arbeit als Figurenmaler unterschätzte. Seine der menschlichen Figur gewidmeten Werke titulierte sie als « armoire secrète », als Geheimschrank, der nur für wenige Freunde des Malers zugänglich gewesen sei. Dennoch gibt es genügend Anhaltspunkte für diese ausgeprägte Leidenschaft des Landschaftsmalers und die Resonanz, die sie bereits zu seinen Lebzeiten bei Händlern, Liebhabern sowie auch bei modernen Künstlern erhielt.

Erstmals nach der bisher einzigen speziell diesem Thema gewidmeten Ausstellung 1962 im Pariser Musée du Louvre stellt nun die Sammlung Oskar Reinhart « Am Römerholz » erneut in konzentrierter Form die Figurenbilder Corots ins Licht der Betrachtung.

Corot gelangte in den fünfziger Jahren zur reifen Formulierung seiner ganz persönlichen Interpretation der menschlichen Figur, die die Lesenden im Fokus des Figurenensembles der Ausstellung verkörpern. Er liess fast ausschliesslich junge weibliche Modelle in seinem Atelier posieren, kleidete sie in fremdländische Kostüme und versah sie mit Attributen wie Bücher oder Musikinstrumente, um so zu einem überhöhten, jedoch durchaus noch dem Leben zugewandten Wesen zu gelangen, dessen Innerlichkeit aus dem Gefüge und der Stimmung des gesamten Bildes spricht. Zu diesem Ziel verhalfen ihm die frühen Studien von Figuren in lokaler bäuerlicher Tracht, das Porträt, sowie die Auseinandersetzung mit der historischen Figur oder mit dem Genre des Interieurs. Die um den Ausgangspunkt der Ausstellung gruppierten Figurenbilder veranschaulichen diese Prämissen und zeigen zugleich, welche Entwicklung Corot als Figurenmaler von den Anfängen bis zu seinem Lebensende vollzogen hat. Sie verläuft keineswegs linear, sondern weist zahlreiche Brüche auf, wie zum Beispiel der 1843 entstandene kühne Akt Marietta (à Rome) belegt. Die drei wichtigsten Stationen auf diesem Weg können in der Ausstellung gezeigt werden: La Femme à la perle, um 1858 - 1868, Le Moine au violoncelle, 1874, und La Dame bleue, 1874, die zwischen der idealisierten weiblichen Figur und der zeitgenössischen modernen Frau vermittelt und so auf die Moderne hinweist. Beispiele des Figurenthemas aus dem zeichnerischen Werk Corots sowie einzelne Gemälde anderer Künstler lassen weitere Quellen des Malers deutlich werden. Einzelne Landschaften thematisieren schliesslich die Bedeutung seines hauptsächlichen Tätigkeitsfelds für die Prägung seiner aus der Phantasie geschöpften Figuren.

Diese Aspekte werden im reich bebilderten Katalogbuch durch namhafte Corot-Spezialisten eingehend dargelegt.


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Kontakt

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